Das Geheimnis der Rundlingsdörfer


Viehkral, Kultplatz oder Wehrdorf? Viele Geheimnisse ranken sich je länger je mehr um die runde Siedlungsform der Rundlingsdörfer.

In den letzten Jahren ist die Frage wieder neu diskutiert worden. Neue Ansätze der Erklärung scheinen nötig. Dabei war und ist das Wendland immer das Zentrum der Rundlingsforschung. Erstmals hat der Reiseschriftsteller Johann Georg Keyßler 1740 in seinem Reisebericht auf die Rundlingsdörfer aufmerksam gemacht. Die wirkliche Auseinandersetzung begann mit den Untersuchungen des Agrarhistorikers Johann Jacobi in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Danach waren es die Forschungen von Anneliese Krenzlin, Willi Schulz und schließlich Wolfgang Meibeyer, die nachhaltig immer wieder das Wendland und seine runden Dörfer thematisierten.

In den siebziger und achziger Jahren fand die Rundlingsfrage ein vorläufiges Ende in verschiedenen Symposien mit den Themen "Slawen und Deutsche im Wendland" / "Wendland und Altmark in historischer und sprachwissenschaftlicher Sicht" u.a.m.
Seitdem schien klar, das es sich bei den im Zuge der ersten Ostkolonisation nach deutschem Recht und von deutscher Obrigkeit angelegten Siedlungsform mit überwiegend slawischer Bevölkerung handelte.

Unklar blieben dennoch viele Einzelfragen, warum rund und wie vollzog sich die Errichtung. Entstanden die runden Dörfer an oder aus altslawischen Siedlungsplätzen der Völkerwanderungszeit oder danach (? A. Krenzlin, W. Schulz) Sind sie vielmehr Teil eines einmaligen Besiedlungsaktes unter der strengen deutschen Obrigkeit und waren die ersten Siedler Kriegsgefangene aus weiter östlichen Gebieten jenseits der Elbe, im Nachklang zu den Wendenkreuzzügen 1147 (? W. Meibeyer).

In jüngster Zeit haben sich Thomans Saile, Matthias Hardt und Christian Lübke erneut mit der Genese beschäftigt. Danach wird die Theorie des einmaligen Schöpfungsaktes aus dem Stand, ohne Vorlagen aus der vorkolonisatorischen Geschichte des 1. Jahrtausends bei näherer Betrachung zum Problem. Vielmehr darf davon ausgegangen werden, dass die runde Dorfform schon zu fränkischen Zeiten vor Otto dem Großen eine bevorzugte Siedlungsform der slawischen Siedler war.
Ebenso ist archäologisch belegbar, dass slawische Siedler bereits seit der zweiten Hälfte der Völkerwanderungszeit im siebten Jahundert das Wendland besiedelten und alsdann eine kontinuierliche Besiedlung / Zusiedlung stattfand. Das explosive Anwachsen der Bevölkerung aus deportierten Slawen um 1150 ist historisch nicht notiert.


Bisher bleibt das zusammendassende Fazit: Die Rundlingsdörfer sind eine slawische Siedlungsform, die allein weder Viehkral, noch Kultplatz, noch Wehrdorf ist. Eher sind sie mit einer nach einheitlicher, gleichberechtiger Gemeinschaftssiedlung strebender Bewohner erklärt. Dabei könnten sich die Erklärungen gegenseitig eher ergänzen als ausschließen. Richtig bleibt auch, dass die Siedlungsform unter der jungen deutschen Obrigkeit um 1200 in der Kontaktzone Slawen/Deutsche zu besonders einheitlicher Ausprägung gelangte und so selbstverständlich und unumstößlich wurde, dass sie sich über Jahrhunderte bis in unser Industriezeitalter hielt.

 

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